“Ferienimmobilien auf Mallorca und den Balearen stehen ganz oben auf der Wunschliste.”

Am 21.07.2021 hat die Homes & Holiday AG Ihre ordentliche Hauptversammlung für das abgelaufene Geschäftsjahr 2020 abgehalten und im Rahmen dieses Events sehr umfangreich zur bisherigen Geschäftsentwicklung und zu den Perspektiven des Unternehmens berichtet bzw. sich geäußert.

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Die Homes & Holiday AG konzentriert sich auf ihr Kerngeschäft Baleraren. Mit Erfolg, 2021 stiegen die Umsätze im Maklergeschäft deutlich.

Die GBC AG aus Augsburg hat diese Situation zum Anlass genommen und ein Interview mit dem Vorstand Joachim Semrau zum aktuellen Verlauf der Geschäftsentwicklung, zur Strategie sowie zum Ausblick des Unternehmens durchgeführt.

GBC: Herr Semrau, Die weiterhin andauernde Corona-Situation hat auch zu einem herausfordernden Marktumfeld für die Tourismus- und Immobilienmaklerbranche auf den Balearen geführt. Wie entwickelt sich aktuell Ihr Kerngeschäft – das Maklerbusiness- in Ihrer Hauptregion Mallorca?

Herr Semrau: Bisher sieht es so aus, als würden wir im Maklergeschäft auf Mallorca ein Rekordjahr erleben. Wie es konkret im zweiten Halbjahr weiter geht, hängt natürlich auch von möglichen Reisebeschränkungen im Herbst und Winter ab. Gesundheitsschutz und Pandemie-Beschränkungen haben die eigene Ferienimmobilie für viele noch attraktiver gemacht, da sie zudem noch eine wertstabile Kapitalanlage darstellt. Mallorca und die Balearen stehen hier ganz oben auf der Wunschliste. So hat sich das Immobiliengeschäft bereits Mitte März 2020 nach dem ersten Lockdown sehr schnell erholt. Unsere Tochtergesellschaft Porta Mallorquina Real Estate konnte das vermittelte Immobilien-Transaktionsvolumen im vergangenen Jahr um elf Prozent steigern. Dieser positive Trend hat sich im laufenden Jahr nochmals verstärkt. Details werden wir im Halbjahresbericht geben.

GBC: Sie sind mit der Homes & Holiday-Gruppe hauptsächlich auf den Balearen und hierbei insbesondere auf Mallorca im Immobilienmakler-Business aktiv. Wie schätzen Sie das mittel- und langfristige Potenzial des Immobilienmarktes auf den Balearen ein und in welcher Phase befindet sich dieser regionale Immobilienmarkt? Könnte die Inselgruppe sogar künftig noch weiter an Attraktivität gewinnen?

Herr Semrau: Die Balearen sind und bleiben eine der Top-Immobilienmärkte in Europa und wahrscheinlich auch weltweit. Derzeit übersteigt die Nachfrage das Angebot deutlich. Der Markt sollte sich weiter positiv entwickeln und wir wollen unseren Marktanteil weiter erhöhen. Zum einen durch die konsequente Unterstützung der Franchise-Partner. Zum anderen durch kontinuierlichen Ausbau der Beraterteams vor Ort. Derzeit gewinnen alle der in den vergangenen 2,5 Jahren hinzugewonnenen Partner ‘lokale’ Marktanteile in ihrer jeweiligen Region hinzu.

GBC: Die Homes & Holiday-Gruppe verfolgt generell eine wachstumsorientierte Unternehmensstrategie. Bitte erläutern Sie uns kurz den aktuellen strategischen Fokus Ihrer Gesellschaft?

Herr Semrau: Nachdem wir in den vergangenen Jahren die Fokussierung auf den Kernmarkt Balearen und konsequente Reduzierung der Kostenstrukturen umgesetzt haben, ist derzeit das Erreichen des Break-evens auf EBITDA-Basis im Fokus. Das Maklergeschäft auf den Balearen sollte uns auch in den kommenden Jahren ein profitables und solides Wachstum ermöglichen. Wir sind uns jedoch auch bewusst, dass es für eine echte Wachstumsstory mehr braucht. Daher prüfen wir im Hintergrund bereits Optionen zur Erweiterung unseres Geschäftsmodells.

GBC: Für den Geschäftsbereich Ferienvermietung haben Sie in Bezug auf die zukünftige strategische Ausrichtung ein Kooperationsmodell mit einem Partner angekündigt. Was waren die Beweggründe hierfür und welche Ziele verfolgen Sie mit diesem strategischen Schritt?

Herr Semrau: Wir haben erkennen müssen, dass wir in der Ferienvermietung nicht die kritische Größe haben, um diesen Bereich schnell in die Profitabilität zu führen – schon gar nicht im Corona-Umfeld. Deshalb haben wir uns entschlossen, bei der kostenintensiven Buchungstechnologie auf einen marktführenden Systempartner zu setzen. Dieser Partner wird auch über eine Tochtergesellschaft die Kundenbetreuung vor Ort und Buchungsabwicklung übernehmen.

Wir werden uns rein auf die Vermarktungsplattform im Internet konzentrieren und portaholiday.de weiterhin als Spezialist für Ferienhäuser auf den Balearen am Markt positionieren. So sparen wir Fixkosten, bieten unseren Kunden mehr Service und erhalten Provision für jede Buchung über uns.

GBC: In der Vergangenheit haben Sie mehrere Regionen bzw. Lizenzgebiete an Franchise-Partner abgegeben. Welche positiven Effekte ergeben Sich hierfür für Ihr Unternehmen und welche Vorteile bietet Ihr Franchise-System potenziellen Partnern, die sich der H&H-Gruppe anschließen? Gibt es einen allgemeinen Trend zu mehr Franchise-basierenden Geschäftsmodellen und Ketten, also Marken?

Herr Semrau: Letzteres auf jeden Fall. Eine Ferienimmobilie ist nicht greifbar, der Kunde sitzt in der Regel weit entfernt, der Erstkontakt erfolgt zu mehr als 90 Prozent über das Internet. Als bekannte Marke schaffen Sie hier Vertrauen, das ist immens wichtig, gerade bei hohen Investitionsvolumina wie Immobilien.

Dann müssen Sie auch noch im Internet gefunden werden. Die Mehrzahl der Internetuser klickt bei Suchergebnissen auf Seite 1 in Google & Co. Hier an die Spitze zu gelangen, kostet viel Geld und Zeit. Das schafft ein einzelner Makler kaum. Wir haben schon vor 15 Jahren begonnen, den Online-Markenauftritt zu forcieren und sind seit Jahren das Immobilienunternehmen mit dem höchsten Sichtbarkeitsfaktor, sprich bei den relevanten Mallorca Immobilien Suchbegriffen überwiegend auf Seite 1 zu finden. So können wir auf kostenintensive Werbung wie Ad-Words weitgehend verzichten. Wir erhalten im Schnitt 400 bis 500 Anfragen im Monat, in Spitzenzeiten sogar über 700. Um dies dann auch abzuarbeiten, brauchen Sie ein starkes Vertriebsteam vor Ort. Derzeit arbeiten auf Mallorca über 60 Makler für uns.

Hier kommt der Franchise-Vorteil ins Spiel. Über die regionale Aufteilung verlagern wir die Vertriebsverantwortung auf die Franchise-Partner vor Ort. Wir als Zentrale kümmern uns um das Marketing, Kundenmanagement und die optimale Präsentation der Immobilien. Dazu halten wir unseren Partnern den Rücken frei und entlasten sie von zeitintensiven administrativen Aufgaben. Die Erfahrung hat gezeigt, dass die Umsätze von Franchise-Partnern wesentlich höher sind als die von festangestellten Büroleitern. Entsprechend ist der EBIDTA-Anteil trotz geringerer Brutto-Provisionseinnahmen höher. Gleichzeitig ist unsere Systemzentrale schlank und ohne hohe Fixkostenbelastung. Nicht umsonst sind alle bekannten Immobilienmaklerketten heute Franchise-Systeme.

GBC: Für die weitere Geschäftsentwicklung und -finanzierung haben Sie sich zuletzt erfolgreich mehrere Kapitalzuflüsse gesichert. Wie beurteilen Sie aktuelle die Liquiditätslage Ihres Unternehmens und sind eventuell weitere Kapitalmaßnahmen bis zum Erreichen des Break-Evens notwendig?

Herr Semrau: Das Maklergeschäft ist profitabel. Wenn wir wie geplant in den kommenden Wochen die Ferienvermietung erfolgreich in die strategische Partnerschaft überführen und sich die Corona-Pandemie nicht wieder deutlich verschärft, sollten wir den Break-even mit vorhandenen Mitteln erreichen können.

GBC: Was kann man im laufenden Geschäftsjahr 2021 trotz der herausfordernden Marktbedingungen aufgrund der Corona-Problematik von der Homes & Holiday-Gruppe erwarten?

Herr Semrau: Wie gesagt, im Maklergeschäft können Sie von einem operativen Gewinn ausgehen. Mit der Kooperation in der Ferienvermietung und dem EBITDA-Break-even hätten wir zudem die Voraussetzungen geschaffen, um wieder eine für Aktionäre attraktive Wachstumsstory zu entwickeln.

GBC: Wo sehen Sie die Homes & Holiday AG in den kommenden 3 bis 5 Jahren, insbesondere im Hinblick auf Geschäftsregionen und Geschäftsvolumens? Welche allgemeine Vision verfolgen Sie für Ihre Gesellschaft?

Herr Semrau: Klar ist, dass wir sehr schlank aufgestellt und schon heute einer der führenden Makler in einem der attraktivsten Immobilienmärkte sind. Dort können wir auch in den kommenden Jahren solide profitabel wachsen. Es ist aber auch offensichtlich, dass wir uns breiter aufstellen müssen.

Regional wären die Kanarischen Inseln und die spanische Mittelmeerküste die nächsten logischen Schritte. In unserer Kernregion wäre der Einstieg in den Bau bzw. Sanierung von Ferienimmobilien und die anschließende Vermarktung eine interessante Option. Beides möglicherweise mit einem Partner. Details werden wir im weiteren Jahresverlauf bekannt geben.

GBC: Herr Semrau, vielen Dank für das Gespräch.

Die vollständige Analyse können Sie hier downloaden